Gringo im Wechselbad der Gefühle – erste Ermüdungserscheinungen oder Nachteile des Fahrens alleine?

Nach den moderaten 90km – irgendwie ist bei mir immer alles etwa gleich “moderat” – von gestern auf der Ironman Strecke, folgte heute früh bei schönstem Sonnenschein das Schwimmen im Meer und anschliessend am späteren Nachmittag nochmals eine Einheit von 90km in hügeligem Gelände.

Zum Schwimmen kann ich nur sagen: So wie erwartet. Das Salzwasser schmeckt übel. Ich gehöre zu denen, die walmässig – mit dem Mund offen – planktonfischend schwimmen. Und genau das muss ich mir dringend abgewöhnen. Was sich im Übrigen äusserst positiv auf meine Atemtechnik auswirkt, denn die Lösung ist durchgängiges Ausatmen unter Wasser. Der zweite Punkt – aber auch dazu bleibt noch Zeit bis Kalmar – ist die Orientierung im Meer. Denn im Gegensatz zum See, ist der Wellengang deutlich höher und das macht die Orientierung anspruchsvoller. Ohnehin habe ich diesem zweiten Punkt im Hallenbad zuwenig Aufmerksamkeit gewidmet. Baustelle erkannt – weiterarbeiten!

Nach einem ausgedehnten späten Mittagessen machte ich mich dann auf eine Runde ins vermeintlich flache Umland. Und da passierten einige spannende Dinge. Dazu folgende (für viele trivialen) Erkenntnisse, die sich im Verlaufe dieser Strecke abzeichneten:

Wenn Du alleine fährst, kannst Du Deine Leistung nur schwer einordnen. Einziger objektiver Indikator wäre ein SRM (misst die Kraft in Form von Watt). Gerade auf langen und flachen Steigungen hatte ich den Eindruck, dass ich zuwenig Kraft habe. Vielleicht lags an den 90km von gestern und den Kilometern an den Vortagen oder aber auch daran, dass das Terrain gar nicht so einfach war, wie es sich mir darstellte. Auf jeden Fall würde die Fahrt zu zweit oder in der Gruppe hier klar aufzeigen, ob es sich um eine Schwäche oder äussere Faktoren handelt. Auf dem Rückweg von Arta Richtung Alcudia stellte ich dann nämlich fest, dass rund 15 der 20km eine einzige Steigung waren. Die bis zeitweise rund 70km/h auf dem Rückweg bestätigten dies. Also war meine Leistung gar nicht so schlecht.

Zwischendrin ein Highlight in der Auffahrt zur Ermite de Betlem. Ich hatte zwar im Einstieg das Gefühl, dass auch hier die Luft raus sei. Dieses Gefühl löste sich dann aber und den zweiten, steilen Teil dieser 2m breiten und 7 – 10% ansteigenden Serpentinenstrasse drückte ich dann förmlich weg. Die 3 Kilometer flogen genau so schnell an mir vorbei wie die Radfahrer, die ich überholte. Bleibt die Feststellung, dass sich in meinen Oberschenkeln doch einiges getan hat.

Für Gabi gings dann nach 60km Trainingsfahrt im hügeligen und windigen Gelände nochmals auf den letzten Teil der Ironman-Strecke, der relativ flach aber extrem windexponiert ist und hier bot sich mir die Möglichkeit, immer wieder auf Radgruppen aufzufahren und daran vorbeizuziehen. Unglaublich, welche Motivation das im Kopf auslöst, wenn Du realisierst, dass Du richtig zügig durch die Ebene zischt. Der Blick auf den Tacho bestätigte denn auch Geschwindigkeiten zwischen 36km/h und 43km/h. Und das bei windigen Verhältnissen. MIt den „sehr harten 20 Minuten“ zum Trainingsabschluss war ich mehr als nur zufrieden. Zum Schluss gings dann nochmals eine flache Rampe auf rund 60m hoch, die ich förmlich wegdrückte.

Mit dieser Fahrt ist mein Radtraining hier auf Mallorca beendet.  Morgen Donnerstag folgt noch ein Lauf- und Krafttraining und am Freitag dann ein Ruhetag – Superkompensation. So sollte ich am Samstag dann einigermassen ausgeruht auf die 167km und 2‘500 Steigungs-Höhenmeter starten können. Mal schauen, welches Wechselbad mich dann erwartet. Vorteil: es fahren noch einige andere mit. Ich werde also nicht der einzige sein, der dann und wann an seine Grenzen stösst.

Hier die landschaftlichen Häppchen. Ein Radfahrer-Privileg:

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Gringo im Dienste des Teams – Abfahren der Ironman 70.3 Mallorca Radstrecke

So liebe Gabi, dieser Eintrag ist Dir gewidmet, denn diese 90 Kilometer bin ich für Dich gefahren. Schon als ich losfuhr war es feucht und ziemlich kühl und mein innerer Schweinehund hätte einige bessere Vorschläge gehabt. Ich bin mir aber sicher, Du wirst besseres Wetter und eine grössere Motivation als ich haben.

Die Strecke startet in der Bucht von Alcudien. Wenn ich den Plan richtig verstehe, dann darfst Dich auf einen wunderschönen Sandtrand freuen.

Vorn dort aus, geht es etwa 4km in Richtung Norden, wo dann erstmals hawaiianische Feelings aufkommen. Der Weg führt direkt dem Meer entlang und der Wind bläst von der Seite ins Landesinnere. Kurz vor dem Hafen von Pollença hast Du den nördlichsten Punkt erreicht. Ab hier beginnt ein erster sanfter Anstieg der dann über eine erste Welle führt, die Steigung nimmt jetzt langsam zu. Zum Auftakt des Aufstiegs wirst Du eine Tafel sehen (ca. Kilometer 19) wo drauf steht „7.7km und 5.5% Steigung“. Das fiese an diesen Zahlen ist folgendes: Der Einsteig in den Pass ist vergleichbar mit dem Albis, also etwas mehr als 5.5% und das bleibt eine Weile so, bis Du dann auf einem ersten Plateau in etwas flachere Bereiche kommst, die sich bis zu Passhöhe hinziehen. Diese hast Du erreicht, wenn Du den 14km Stein an der Strasse siehst.

Das fiese an diesem Aufstieg ist, dass er jetzt noch nicht fertig ist. Denn jetzt folgt ein Auf und Ab über rund 5km und danach eine längere Abfahrt von gut einem Kilometer und ein letzter scharfer Aufstieg über rund 3km. Erst jetzt hast Du den höchsten Punkt erreicht und Du biegst links ab. Wenn Du die Tankstelle siehst, dann hast Du das Übelste hinter Dir. Das ist etwa bei Kilometer 38. Die Strasse in diesem Wellental das jetzt hinter Dir leigt – zwischen Pass und höchstem Punkt – ist ruppig und in einem – für unsere Verhältnisse – schlechten Zustand. Es sind Frostschäden aber keine grösseren Löcher.

Die Abfahrt ist toll und die Strasse hier in einem guten Zustand. Von der Tankstelle weg kannst Du Vollgas geben bis zu den beiden Häusern zwischen denen Du durchfährst, den leichten Anstieg drückst Du weg, denn danach gehts unendlich runter. Die Strassen sind wirklich toll und wenn Du die Kurve einsiehst, dann kannst Du fahren. Du wirst die drei, vier Spitzkehren in der Mitte der Abfahrt sehen. Danach fährst Du seitlich dem Tal entlang und kannst den Speed wieder mitnehmen bis runter ins Dorf.

Hier eine erste Warnung: Viele der weissen Streifen auf dem Boden sind nicht aufgemalt sondern „dreidimensional“. Ich gehe davon aus, dass diese Dinger im Feld für Verwirrung sorgen werden. Eingangs des Dorfes hat es zwei.

Und gleich eine zweite: Wenn Du feststellen solltest, dass der Verkehr nicht eingeschränkt wurde, dann fahre auf dieser Abfahrt eher rechts. Die Busse stechen weit über die Gegenfahrbahn aus den Kurven hinaus und auch die Autos schätzen den Radius dieser engen Kurven falsch ein.

Aller guten Dinge sind drei: Die Spanier fahren hier sehr, sehr langsam und Du musst davon ausgehen, dass sie Euer Renntempo unterschätzen werden. Aufgepasst in Dörfern.

In der Mitte des Dorfes nach der Abfahrt geht es 90° rechts ab und dann kannst Du es ziehen lassen. Du kommst jetzt auf sehr gute Strassen, wirst aber kurz nach dem Dorf bei Kilometer 45 nochmals mit einer kurzen, giftigen Steigung konfrontiert.

Danach wird es flach und Du kannst nach Inca „brettern“. Mit Wind musst Du hier rechnen. Auch damit, dass Du alle 5 Kilometer durch ein Rondell musst und alle 10 Kilometer durch ein grösseres. Auf den GPS Daten die ich hatte, gab es noch eine Strecke von ca. 4 Kilometer rechts raus nach Santa Margalida (wunderschönes Städtchen) mit einer kurzen Steigung und dann wieder zurück. Offensichtlich versuchte man hier noch Kilometer zur Strecke hinzuzufügen. Diese habe ich nicht gefahren. War mit dem Garmin überfordert 😉 Und irgendwie bin ich jetzt wieder auf die Mallorca167 geraten, die noch mit drei happigen Wellen aufwartet.

Gemäss Höhenprofil hast Du kurz vor Schluss nur noch eine kurze Steigung von gut 40m zu bewältigen. Also eine runde Sache zum Schluss. Den Rest liefere ich Dir nach. Ich fahre den Schlussteil morgen.

Alles in allem eine anstrengende Sache. Und auf den Abfahrten kommst Du zwar teils zügig voran, aber den Speed wie auf den langen geraden Abfahrten in Rappi oder in Zofingen bringst Du hier nicht hin. Vermutlich war das der Grund, weshalb ich den 30er Schnitt knapp nicht hingekriegt habe. Denn die Steigungen zählen (noch nicht) zu meinen Stärken. Die liegen dann wohl eher auf den langen Geraden, wo ich Scotty ordentlich die Sporen geben kann.

Good luck allen die hier starten. Nehmt einen starken Kopf mit! Das Ding spielt mit Dir.

UND HIER NUN DER NACHTRAG:

Aufgrund meiner Unfähigkeit, mein Navigationssystem richtig zu bedienen, verpasste ich bei der ersten Abfahrt der Strecke die letzten Kilometer. Denn die Strecke biegt bei ca. Kilometer 70 an der grossen Autostrasse rechts ab und führt durch die  flache Ebene vorbei an Sa Pobla nach Muro. Dort zum Schluss gibt es einen kurzen Aufstieg von rund 400m (Oberrieden bis Kreisel Garage Kuhn in Thalwil). Der Weg führt dann zurück nach Sa Pobla und von dort dann auf langen ruhigen Seitenstrassen wieder Richtung Meer nach Alcudia. Zum Schluss nochmals eine zweite, etwas längere Steigung von gut 5% über eine Distanz von 600m. Danach ist das Ding geschafft. Die Einfahrt nach Alcudia ist toll und wird für gute Gefühle sorgen. Vom Profil her ist die Strecke in der Tat so „einfach“ wie geschildert. Ich denke aber über die ganze Strecke hinweg betrachtet, dass die zwei Erhebungen zum Ende der Strecke ihre Spuren hinterlassen. Hinzu kommt nämlich, dass der Wind hier in der Ebene deutlich stärker weht und dass die Strecke hier flacher ist als vorher, wo eine konstant leichte Neigung dafür sorgt, dass Dein Speed höher ist bzw. Du weniger Kraft brauchst. Hinzu kommt, dass Du an warmen Tagen genau hier die Hitze am stärksten spüren wirst. Dieses Teilstück ist also nicht ohne. So mancher wird sich hier das Ende der Radstrecke herbeiwünschen.

Ein guter Coach hat mir mal folgendes gesagt: Wenn Du startest, dann hast Du ein Pack Streichhölzer im Gepäck. Bei jeder Welle, die Du mit Speed und Kraft wegdrückst, wirst ein Streichholz abbrennen und irgendwann ist Deine Schachtel leer. Eigene Erfahrungen des Bloggers: Du merkst erst, dass die Schachtel leer ist, wenn Du ein weiteres Streichholz abbrennen willst. Auf dieser letzten – anderen – Teilstrecke brauchst Du mindestens 3 Streichhölzer in Reserve: 1 für den Wind, 1 hoch nach Muro und 1 noch nach Alcudia am Schluss der Strecke. Also spar Dir eins oder zwei auf. Denn spätesten auf dem Lauf kannst Du diese dann abfackeln.

Das mit der Strecke auf Google Earth habe ich nicht hingekriegt, aber ein Download der GPS Daten ist auch hier möglich:

http://www.gpsies.com/map.do?fileId=fmqfourdstekoqlx&referrer=trackList

Gringo total geschockt – Besichtigung der Radstrecke für den Mallorca167

Der heutige Tag gehörte der Familie. Fast, denn die Fahrt mit dem Mietfahrzeug vom Norden in den Süden Mallorcas nach Palma erfolgte entlang der Mallorca167 Strecke, die im ersten Aufstieg auch der Ironman 70.3 Strecke entspricht. Ein ausführlicher Fahrbericht der 70.3 Strecke wird morgen nachgeliefert, so dass Gabi Frei noch den einen oder anderen Tipp mit ins Rennen von Mitte Mai mitnehmen kann.

Zurück zu unserer Autofahrt. Als wir oben nach 7km Steigung auf gut 600m ankamen – wir starteten auf Meereshöhe – kam die Verzweigung links (Ironman Strecke talwärts) und rechts Mallorca167 Strecke vermutlich bergwärts. Und so war es denn auch. Es folgte nochmals dasselbe. Nicht ganz so pikant, aber die 1‘000m erreichten wir. Nach einer rasanten und langen Abfahrt dann in Gedanken zum Höhenprofil, das ichgestern noch studiert hatte. Und ja, es kamen nochmals 400m drauf. Und diesmal auf einer „Serpentinenstrasse“, wie man sie aus den Filmen kennt. Kaum bist Du wieder im Tritt, gehts über eine enge und extrem steile Kurve in die nächste Gerade von etwa 100m und immer weiter so.

Irgendwann ist dann auch das mit den Steigungen fertig. Aber die verbleibenden knapp 1‘000 Steigungs-Höhenmeter (insgesamt werden wir 2‘500 fahren) fahren wir dann über die verbleibenden 70km bis ins Ziel.

Warum habe ich mich da angemeldet? Mehr als zweimal Sattelegg nacheinander und danach ein Auf und Ab wie auf der Chilbi. Das wird ja lustig. Nun ist mir klar, warum der letztjährige Sieger (ehemaliger Radprofi) die Strecke nur knapp unter 6 Stunden gefinisht hat. Und der hatte sicher kein Triathlon-Rad. Wobei da noch ein gewisser Vorteil für Scotty und mich besteht … zumindest kilometermässig … mal schauen ;-))

Da bleibt nur ein Schluss: Just have fun. Und  … die fantastische Landschaft geniessen.

Gringo lost in nowhere – auf der Suche nach der Ironman Mallorca Strecke

Tag 4 stand im Zeichen des Ironmans. Auf dem Plan waren 4 moderate Stunden in hügeligem Gelände und wie mit Teamkollegin Gabi Frey besprochen, wollte ich ihr ein Feedback zur IM Strecke auf Mallorca geben. Sie wird in 3 Wochen hier auf der Insel die Ladies auf der Halb-Ironman Strecke die Ladies unter Druck setzen. Entsprechend war alles vorbereitet. Inklusive meinem Navigationsgerät, das ich erstmals richtig ausprobieren wollte.

Erkenntnis des Tages: zwischen Wollen und Können besteht ein fundamentaler Unterschied. Zweite Erkenntnis: Ab 40 geht‘s ohne Bedienungsanleitung auch bei Herrn Utz nicht mehr. Den Ausgangspunkt der Strecke habe ich zwar erreicht, doch nach rund 20 Minuten wurde auch mir klar, dass ich die Strecke falsch herum fahre. Um kostbare (Familien)zeit zu sparen, entschied ich mich, der Nase nach durch die Insel zu düsen. (Gabi, die Strecke wird noch abgefahren). Nach einigen fürchterlichen Ausritten auf frostgeschädigten Strassen fand ich den Weg nach Inca und damit wieder zurück auf Autostrassen. Diese führten mich über die offene Ebene durch ein Wellental und damit immer wieder ganz hart an den Wind heran. Da bläst wirklich ein Windchen. Der extrem Flache Rahmen sowie die 1080er und 808er Zipp-Felgen gaben sofort Feedback. Konzentration war gefragt und gut fürs Training sage ich mir – denn in den Flächen Schwedens wird es auch nicht windstill sein – und ich ziehe weiter.

So gegen 10 Uhr scheinen nun auch die geführten Bikegruppen unterwegs zu sein, die Scotty und ich erneut einzeln und gruppenweise jagen. Egal was die dachten, als wir vorbeizogen, denn auf meinem Trainingsplan stand moderat und nicht easy oder mega easy. Immer wieder klebten lang anhaltende Blicke auf Scotty scharfen Kurven.

Da heute ohnehin einiges schief lief, entschloss ich mich, diese Einheit kraftbetont umzusetzen und fuhr in tiefer Kadenz durch die welligen Hügel nach Santa Margelida und dann der Küste entgegen und wieder zurück zum Ausgangspunkt. Um den Beinen eine Kostprobe auf das Rennen in Rappi zu geben gabs im Hinblick auf die vom Coach verordneten Koppel-Intervalle dann nochmals forcierte 10 Kilometer dem Meer entlang, die letzten Kilometer zügig über 40km/h. Die Radeinheit dauert nicht wie geplant 240 Minuten sondern 180 Minuten über eine Distanz von etwas mehr als 90 Kilometern. So stimmte zumindest der Schnitt für ein moderat angesetztes Radtraining.

Rauf ins Zimmer, Laufschuhe an und los. Auf dem langen Parkplatz dann 20 Stück 30/30er, erneut zur Belustigung der Spanier, die am Ostersonntag ihre ausgiebigen Plapper- und Fressfeste feierten. Die ersten Intervalle lief ich Vollgas über 200m hinweg, die letzten dann etwas moderater im Bereich 3:30min/km. Meine Lungen fühlten sich zwischenzeitlich wie diese spanischen russ-speienden Dieseltöpfe an. Vielleicht sind diese ja der Grund für die lauten, markdurchdringenden und rauhen Stimmen der spanischen Fräuleins und Frauen? Oder ist doch genetisch bedingt?

Und wieder diese Blicke … gringo loco.

Alles in allem ein guter Tag – wenn auch nicht ganz nach Plan – dafür mit gutem Trainingsreiz. Scotty und ich waren wieder ein gutes Team. Nun muss ich Scotty etwas reinigen, er hat etwas viel Winforce abgekriegt.

Morgen wird 45 Minuten im Meer geschwommen. Ich hoffe sehr, dass sich das Meer etwas beruhigt, denn zur Zeit geht bei uns die Post ab. Aber auch hier gilt: die Wikinger werden im August die Turbinen starten, wenn Fremde an deren Gold, Weiber und Honigwein wollen.

Gringo on shaky ground – fast allein in der Fitnesskammer

Tag drei war ein toller Tag. Denn auf dem Plan von Coach Gilbert stand nur „Krafttraining“. In unserer Sprache bedeutet das intensive 30 bis 40 Minuten Rumpftraining und weitere 20 Minuten Kraft an Maschine und Hantel.

Alles was man dazu braucht sind ein Airex, ein Sypoba, eine Yogamatte, eine Beinpresse, eine Hantelbank mit Bein-Curlstation für die Hamstrings, anständige Lang- und Kurzhanteln. Also all das, was eigentlich in einem Hotelfitnessraum nicht hat. Und der worst case traf ein. Zwar brüsten sich alle Hotels mit dem Ausdruck Fitnesscenter, aber in Wirklichkeit ist der Raum meist eine Besenkammer mit drei Geräten und im Idealfall mit einer Hantelbank und Hanteln. So auch diese spiegelummantelten 10m2.

“improvisar” war nun angesagt und aus einem Frottetuch und einer Yogamatte entstand ein instabiler Untergrund, der den Airex ersetzte. Einzig die Bein-Curls für den Hamstring mussten Ausfallschritten mit Hanteln weichen, ansonsten kriegte ich mein Programm mehr oder weniger durch. Dabei wurde ich von einer fünfköpfigen Gruppe pummeliger, spanischer Grossstadt-Kinder beobachtet, die am Laufband und am Crosstrainer rumhingen. Etwas mehr Abwechslung brachte dann eine dreiköpfige Familie – auf den ersten Blick auch aus Spanien – in die Besenkammer, als diese Laufband und Crosstrainer auf deren Funktionsfähigkeit prüften und als kleines Highlight öffnete das liebe Töchterchen dieser Familie dann immer wieder die Türe zu Hallenbad und Sauna, so dass ich – wie kaum einmal diese Saison – nass aus dem Gymnasio kam.

Das Training war saugut und die Unterhaltung äusserst amüsant. Zwar hätte ich mir lieber eine 12köpfige brasilianische Sambagruppe gewünscht, aber Stimmung kam dennoch auf. Vermutlich auch bei den Zuschauern, die sich wahrscheinlich gefragt haben, ob denn jetzt alle Gringos einen Sprung in der Schüssel haben.

Gringo der Liftboy – Ausdauer-Steigerungslauf mit Folgen

Heute  blieb Scotty im Stall – genauer genommen in unserem Hotelzimmer – denn auf dem Plan standen 90 Minuten Steigerungs-Ausdauerlauf.

Am frühen Morgen spürte ich meinen neuen Kollegen Hamstring ein wenig. Diesen Muskel habe ich mir diesen Winter aufgebaut. Es ist der Muskel auf der Rückseite des Oberschenkels, den wir auf dem Rad beim runden Tritt brauchen. Aber – so dachte ich – gut, dass ich den auf dem Lauf nicht brauche.

Diesmal wurde ich wieder begleitet. Mein Sohn Max brauchte dringend auch etwas Bewegung und so fuhr er auf dem Mountainbike mit.

Schnell war klar, dass das Gift vom Montag noch immer in meinen Oberschenkeln steckte und dass mein rechtes Knie „vorbelastet“ war. Unglaublich, was einem da entgegenläuft. Man könnte meinen, auf Mallorco betreibe jeder zweite Triathlon. Noch nie habe ich soviele Finishershirts auf einem Ausdauerlauf gesehen.

Nachdem ich meinen Speed nach 60 Minuten in zwei Schritten auf einen 4:30er gesteigert hatte, ging es mit dieser Pace wieder zurück ins Hotel der langen Strasse entlang. Und wieder spürte ich meine Oberschenkel. Doch noch nie habe ich die Differenz zwischen Kreislauf bzw. Puls und Atmung einerseits und muskulärer Belastung andererseits gespürt. Mein Puls blieb die erste Stunde unter 150 Schlägen und stieg dann beim 4:30er auf Höhe der Schwelle an und zum Schluss ging er darüber. Doch mein Körper fühlte sich ein an, als würde ich nochmals schneller laufen. Vielleicht wars der heisse Ritt vom Vortag als Scotty mit mir durchbrannte. Sorry Coach, it was more than easy. Aber das musste einfach sein, das Ding ging derart heiss ab. Und wann kann man den Deutschen schon mal so richtig den Arsch versohlen? Im Fussball sicher nicht, oder Sven? Und dann noch dies: Zur Erziehung gehört, dass sich Kinder auch mal für ihren Vater schämen und nicht umgekehrt. So standen wir heute in einem Rude Deutscher und warteten auf den Bus. Als eine Heerschar CUBE und REDBULL fahrender Radler vorbeizog und der vorderste Schrie: ALLLLLLLEEEEEEHHHHHHZZZZZZ, da kam es aus mir heraus: Das können nur Deutsche sein. Seit heute 15 Uhr hat Fremdschämen für meine Familie eine völlig neue Form angenommen.

Lieber Coach, das Schwimmen habe ich zugunsten meiner Anonymität hier im Hotel auf morgen früh verschoben. Ansonsten laufe ich Gefahr, dass die Spanier und Deutschen hier mit dem Finger auf Gringo, den liftfahrenden Ausdauersportler zeigen. Ja, ja … richtig gelesen. Heute Nachmittag habe ich tatsächlich den Lift genommen. Sachen gibts.

Übrigens ist mit dem Ausdauerlauf auch wieder die Sonne nach Mallorca zurückgekehrt und sie gab uns einen kleinen Vorgeschmack auf das, was uns wärmetechnisch die nächsten Tage erwarten wird.

Rasender Gringo im Wind – wenn ein wild gewordenes Plasma durchgeht

Der Auftakt zu meiner Frühlings-Familien-Trainingswoche war unerwartet stürmisch. Am Morgen des ersten Tages braute sich ein ziemlich übles Süppchen zusammen und auf meinem Plan standen zwei Dinge: Easy Einrollen über 90 bis 120 Minuten und eine Pool Session mit 12x25m all outs. Und wieder einmal kam alles anders.

Nachdem der Sturm sich nicht legte, entschied ich mich am Nachmittag auf den rund 30km entfernten und etwa 300m hoch gelegene Passüberfahrt des Formentor zu fahren. Scotty und ich sind inzwischen ein gutes Team. Nachdem ich ihn aufgebaut hatte, wieherte er schon wie wild und vor dem Ride kam dann auch noch ein Schuss Druckluft in seine Räder. Prall gefüllt gings mit wildem Schnauben los. Relatisch schnell legten wir die grosse Schweibe ein und knallten einen nach dem anderen Gang rein. Spektakulärer als mancher Ferrari der in der Bucht von Alcudia um Aufmerksamkeit heischt. Ein Traum Scott auf diesen Strassen zu bewegen. Meist führt ein meterbreiter Velostreifen den Strassen entlang. Nur im Bereich der Rondelle ist Vorsicht geboten und wir mussten etwas Dampf rausnehmen. Mein Navi führte wunderbar und Scotty kriegte die Sporen. Bei hartem Seitenwind düsten wir kilometerlang der Küste Mallorcas entlang. Nein, nicht im Grundlagentempo lieber Coach. Aber deutlich unter der Schwelle. Nach einer harten aber schönen Steigung erreichte ich den höchsten Punkt. Und gleich gings zurück. Nach einigen Adrenalinschüben bergab ritten wir dann dem Wind entgegen und die Pace gab zeitweise um satte 3 bis 4km/h nach. Dennoch war gegen Scotty und mich kein Gras gewachsen und die deutschen Radlergruppen wurden gierig überholt. Fast schon im Überschalltempo glitten sie rechts und links an uns vorbei. Im Stadtbereich packten wir auch das eine oder andere Fahrzeug und als sich uns ein Touristen-Züglein in den Weg stellte gabs nur noch eins: hart vorwärts, links auf ganzer Länge dran vorbei. Phantastisch wie mein Pferdchen abging. Aufgrund des Theaters, das Scotty und ich da oben im Norden veranstalteten, wird der eine oder andere seine Weihnachts-Wunschliste schon diesen Frühling schreiben oder ganz einfach den Kopf schütteln, wegen diesen Gringos mit den schwarzen schnellen Pferden.

Zurück im Hotel dann der Blick auf die Uhr. Angezeigt wurden knappe 60km, die in einem 35er Schnitt zurückgelegt wurden. Somit endete das easy einrollen in einer Krafteinheit auf der grossen Scheibe mit tiefer Kadenz und sehr viel Speed. Einfach geil. Das Finetuning an der Sitzposition hat sich ausbezahlt.

Nach einem LamboPro folgte dann noch das verdiente Bad bei geschätzten 15-16°C. Etwas kühler, als wir das Wässerchen im Obersee anfangs Juni kennen. Da man nach 20 Uhr nicht mehr in den Pool darf, war mir mit Neo und viel Speed bei Tageslicht die Aufmerksamkeit der Hotelgäste sicher. Die Poollänge von rund 80m teilte ich nach dem Einschwimmen so ein, dass ich die erste Hälfte zügig und die zweite Hälfte dann All Out schwamm.  Jungs, wer den Neo jetzt noch nicht aus dem Schrank genommen hat: Tut es, geht ins Hallenbad und gewöhnt Euch zügig und das Teil.

Eine lang andauernde und wärmende Dusche, gefolgt von einem guten Nachtessen und einer ABBA-Show rundete meinen ersten Tag ab. Innerhalb von Minuten fand ich den Schlaf und träumte davon, wie ich als Gringo mit Scotty dem Wind entgegen ritt.