Training mit Restalkohol

Am vergangenen Wochenende bin ich mit dem Fahrrad zur Klassenzusammenkunft gefahren. Hin (45km) und 15 Stunden später zurück (56km).

Auf dem Rückweg habe ich dann festgestellt, dass die Sache sich deutlich zäher anfühlte als am Tag zuvor. Obwohl ich am Tag vorher am Ende des Tages in die Nacht gefahren war und am Samstagmorgen dann um 9 Uhr losfuhr. Nebst sehr wenig Schlaf (5 Stunden) hatte ich viel gegessen und vor allem viel Getrunken. Insgesamt waren es: 3 Stangen Bier, 1/2 Liter schwerer Rotwein, 3 Vodka Tonic, 2 Kräuterlikör, 1 Likör Ficken (ja, so hiess der Running Gag des Abends) und 1 Cuba Libre. Ich würde mal annehmen, dass mein Blutalkoholwert bei unterhaltsamen 1,5 bis 2 Promille lag. Der Körper ist in der Lage rund 0,1 bis 0,15 Promille abzubauen. Was bedeutet, dass ich mich morgens um 9 Uhr mit genügend Restalkohol in meinen Venen hinter den Lenker geklemmt hatte. Was beutet das jetzt aber für meinen Körper?

Generell führt Alkohol im Blut zu einer deutlich schlechteren Motorik und langsamen Bewegungen. Eine Erfahrung, die viele von uns schon gemacht haben. Einige weitere Punkte scheinen mir aber deutlich interessanter und sind weniger bekannt:

Herz und Blutgefässe:
Selbst in geringer Menge, erweitert Alkohol die Blutgefäße. Das Herz muss dann größere Kraft aufwenden, um das Blut durch den Körper zu pumpen. Die Muskeln, die beim Sport benötigt werden, werden dadurch unterversorgt. Die Sprintgeschwindigkeit z.B. nimmt nach zwei Gläsern Alkohol um 10% ab. Daneben erhöht Alkohol den Pulsschlag und die Atmung. Folglich verschlechtert sich die Kondition.

Stoffwechsel und Wasserhaushalt:
Der Körper benötigt Kohlehydrate als Brennstoff, um Alkohol abzubauen. Dadurch sind während der sportlichen Betätigung weniger Kohlehydrate für die Muskeln verfügbar und die Muskelkraft nimmt ab. Außerdem entwässert Alkohol den Körper. Bei intensiver sportlicher Betätigung und starkem Schwitzen verhindert Alkohol das Regenerieren des Wasserhaushalts und damit auch die Erholung des Körpers.

Milchsäure:
Nach einer starken körperlichen Anstrengung muss der Körper sich erst wieder erholen. Alkohol behindert diesen Erholungsprozess. Bei körperlichen Anstrengungen werden in den Muskeln Abfallstoffe (Milchsäure) gebildet. Milchsäure kann auf die Dauer Muskelschmerzen verursachen. Der Abbau der Milchsäure wird von dem Moment an verhindert, in dem Alkohol getrunken wird. Die Leber gibt dem Abbau von Alkohol nämlich Vorrang und lässt die Milchsäure erst mal links liegen. Zusätzlich wird die Pufferkapazität im Blut reduziert. Das Laktat kann nicht mehr abgepuffert werden, das der säurebildende Abbau von Alkohol den basischen Puffer schon verbraucht hat. Das mit dem Bierchen nach dem Training oder nach einem Rennen sollte man sich deshalb gut überlegen.

Körperfett:
Bei Männern wird durch alkoholische Getränke wie Wein und Bier immer die Testosteronproduktion unterdrückt, wodurch der anabole Effekt des Krafttrainings verpufft. Grund dafür sind die starken Phyto-Östrogene (weibliche Hormone) des Hopfens im Bier und der roten Weintrauben im Rotwein. Deshalb erkennt man die Biertrinker im Sport oft an ihrem typischen Bierbauch. Das liegt nicht, wie so oft vermutet, an den vielen Kalorien. Ein Glas gezuckerter Fruchsaft hat ein Vielfaches der Kalorien eines Glases Bier. Es liegt an der Menge Phyto-Östrogene, die man zuführt. Durch die regelmässige Unterdrückung der männlichen Hormone entsteht eine „Verweiblichung“ des Mannes. Im Klartext: Die weiblichen Phytohormone, regelmässig zugeführt, bedeuten immer Fettansatz an Bauch und Brust.

Dehydration:
Ein erfolgreicher Sportler muss immer gut hydriert sein. Trinken ist eine der wichtigsten Tätigkeiten während des Wettkampfes oder Trainings. Bier und generell Alkohol eignen sich dazu nicht. Durch zuviel Bier entsteht genau das Gegenteil, leistungswichtige Flüssigkeit wird entzogen. Dies gilt übrigens auch für andere Getränke wie Tee, Kaffee, Limonaden, Softdrinks, Säfte und alkoholische Getränke, wie Wein oder eben Bier. Sie enthalten zwar Wasser, aber sie enthalten auch Koffein, Zucker, künstliche Süßstoffe, Alkohol und chemische Zusätze, die im Körper eine stark entwässernde Wirkung zeigen.

Nun zurück zu meiner Ausfahrt. In Anbetracht der Tatsache war meine Rückfahrt über 56km mit einem 30er Schnitt im unteren Pulsbereich für meine Verhältnisse zwar beachtlich gut, aber eben nachvollziehbar zäher. Und der Trainingseffekt dürfte sich wohl in Grenzen halten.

Übrigens, viel gefährlicher ist “Restalkohol” beim Schwimmtraining. Vor allem in den kühleren Jahreszeiten:

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patrickutz

don't fear your inner weak. face it.

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