Ironman oder Ironmoney?

Die aktuelle Diskussion um die spezielle Memberfee für Ironmen hat eine Protestwelle ausgelöst. Und die Argumente, welche von Seiten der Organisation bezüglich der Einführung der 1’000 Dollar Ironman Access Programms auf Facebook genannt wurden, sind nicht gerade wirklich durchschlagend.

Warum der Protest? Vielleicht weil einige der Veranstalter vergessen haben, warum viele von uns an diesen Anlässen teilnehmen. Vielleicht auch deshalb, weil durch die gestiegenen Preise auch die Ansprüche und Erwartungen gegenüber dem Veranstalter deutlich grösser geworden sind? Oder sind wir einfach nur neidisch, weil wir eigentlich auch ganz gerne ein schönes Stück von dem Geld hätten? Ist es der Neid der Besitzlosen?

Ausdauersport ist in seiner tiefsten Seele der Kampf des Athleten gegen sich selbst und gegen seinen inneren Schweinehund. Und vielleicht müssen wir mal wieder in die Vergangenheit schauen und uns dann fragen, was wir wirklich wollen?  Und dann entscheiden, wo wir diesen Kampf am intensivsten austragen können und vor allem austragen wollen. Ich finde, es gibt viele tolle und aussergewöhnliche Rennen. Natürlich macht es Eindruck, sagen zu können “ich bin ein Ironman”. Und eigentlich ist dann ja alles klar. That’s the deal. Marke oder nicht?

Und vielleicht treiben wir selbst die Sache ja auch noch an. Wie hoch schätzt Ihr den Wert des Materials, das beispielsweise in Rapperswil oder Zürich benutzt wird?

Back to the roots? Als Inspiration hier einige interessante Bilder und Zeilen aus den Anfängen:

Die Idee des Ironman wurde 1978 während der Preisverleihung des Oahu Perimeter Relay (Laufwettbewerb für Teams aus fünf Athleten) in Hawaii geboren. Unter den Teilnehmern waren verschiedene Vertreter der Mid-Pacific Road Runners und des Waikiki Swim Club, die schon lange diskutierten, wer denn die fitteren Athleten wären: Schwimmer oder Läufer? Bei dieser Gelegenheit bemerkte U.S. Navy Commander John Collins, dass beim großartigen Fahrradfahrer Eddy Merckx die größte je bei einem Athleten festgestellte Sauerstoffaufnahmefähigkeit gemessen wurde. Commander Collins und seine Frau Judy hatten 1974 und 1975 schon an Triathlons teilgenommen und daher schlug Cdr. Collins vor, drei existierende Rennen auf der Insel zu kombinieren: Den Waikiki Roughwater Swim (2,4 Meilen/3,86 km), das Around-Oahu Bike Race “Ride around the Island” (115 Meilen, ursprünglich ein zweitägiges Rennen) und den Honolulu-Marathon (26,2 Meilen/42,195 km). Es sei angemerkt, dass keiner der Anwesenden an dem Fahrradrennen je teilgenommen hatte; Cdr. Collins bemerkte, dass es durch Kürzen um 3 Meilen möglich war, das Radrennen beim Schwimmziel zu starten und beim Aloha Tower, dem traditionellen Marathonstart, enden zu lassen. Mit einem Nicken zu einem hiesigen Läufer, berüchtigt für sein anspruchsvolles Training, sagte Collins „Whoever finishes first, we’ll call him the Iron Man“.

Also machten sich 15 Starter 1978 auf, um einen König der Ausdauer in einem Nonstop-Wettbewerb aller drei Distanzen zu bestimmen. Von den 15 Teilnehmern, die am frühen Morgen des 18. Februar 1978 starteten, erreichten 12 das Ziel. Der erste „Iron Man“ war der Taxifahrer Gordon Haller in 11 Stunden, 46 Minuten und 58 Sekunden.

Mundpropaganda reichte aus, um im Jahr 1979 bereits 50 Athleten an den Start zu bringen. Wegen schlechten Wetters musste die Veranstaltung aber um einen Tag verschoben werden – nur 15 Teilnehmer starteten an einem Sonntagmorgen. Der 35-jährige Tom Warren aus San Diego gewann in 11:15:56. Lyn Lemaire, eine Meisterschaftsradfahrerin aus Boston, wurde insgesamt Sechste und erste „Ironwoman“. Collins plante, das Rennen in einen Staffelbewerb zu ändern, doch der Journalist Barry McDermot der Zeitschrift Sports Illustrated, wegen eines Golfturniers in der Gegend, entdeckte das Rennen und schrieb einen zehnseitigen Artikel.

1980 kontaktierten hunderte interessierter Teilnehmer Commander Collins. Die amerikanische Fernsehgesellschaft ABC übertrug das Spektakel und trug so zur weltweiten Beachtung und zum Mythos Ironman Hawaii bei. Von 108 gestarteten erreichten 95 Athleten das Ziel. Dave Scott gewann das Rennen in 9:24:33.

Und hier einige Bilder dazu:


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patrickutz

don't fear your inner weak. face it.

10 thoughts on “Ironman oder Ironmoney?”

  1. Pioniergeist und Essentielles weicht ökonomischen Aspekten. Was absolut normal ist.

    Die Schwierigkeit ist immer, dass die die neu in den Sport kommen, ihn anders kennenlernen als die die schon lange drin sind. Wie bringt man also jetzt den ursprünglichen Gedanken in die Köpfe und Herzen der jüngeren Athleten bzw. der heutigen Einsteiger und zukünftigen Masse. Gute Anlässe, tolle Athleten und überzeugende Coaches können die richtigen Impulse geben. Wenn genug Menschen in so einer Situation sagen “Hey, das geht nicht in die richtige Richtung, da muss ich was machen.”, dann kann das ein erster Schritt sein. Es gibt sie nämlich, die richtig guten Anlässe: Powerman, Tristar, Challenge Roth mit hochmotivierten Helfern und einem echten Erlebnis.

    Aber es ist halt schon so, der Brand heisst Ironman. Und es ist halt sexier sagen zu können “ja, ich habe den Ironman gemacht” als jemandem zuerst erklären zu müssen, was man gemacht hat. Lass uns hoffen, dass die Europäer etwas kritischer sind als die Amis und dafür sorgen, dass es noch einige tolle Alternativen gibt und dass jeder diese kennt.

    Ich für mich – als unbedeutende Kreatur – werde in Zukunft auf Konzepte wie Tristar oder Challenge setzen. Ironman hin oder her. Rappi habe ich schon gebucht und wenn Zürich im 2012, dann nur weil er vor der Haustüre steht und das einfach auf die Liste gehört. Siehst Du, jetzt sind wir schon wieder an dem Punkt … irgendwie sind eben alle ein wenig inifziert und wollen den mal machen, weil er auf jede Liste und zum guten Ton gehört.

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  2. Vielen Dank für den ausführlichen Kommentar. Ich könnte das ziemlich vorbehaltlos unterschreiben. Hier noch einige zusätzliche Gedankes-Blitze:

    – Die Kommerzialisierung auch von Breitensportanlässen ist natürlich nicht neu. Hinter manchen Laufveranstaltungen auch in der Schweiz stehen eindeutig for-profit-Organisationen, die das mehr oder weniger deutlich “for Profit” machen.

    – In unserer Zeit wird ja grundsätzlich alles verkommerzialisiert. Es soll keinen überraschen, dass dies auch mit “Ironman” passiert, vor allem nicht die, welche lieber die Marke Mercedes als die Marke Skoda fahren. Lang lebe das “Swiss Army Eau de Toilette”!
    http://www.armeeshop.ch/shopneu/shop.php?&Kat=11&Sprache=d&Wrg=CHF

    – Nachdem hier die “heile Amateurwelt” (was ist der Durchschnittspreis der Triathlon-Bikes an einem Event?) auf die “krude Businesswelt” trifft, sind Auseinandersetzungen vorprogrammiert.

    – Und nun die Kehrseite der Medaille: Jeder kann ja einen solchen Event organisieren…wenn er/sie kann und will. Aber was das an Arbeit, Nerven und Risiko bedeutet, das kann man nur schlecht abschätzen (übrigens steht der Sempachersee-Tri 2011 noch auf wackeligen Beinen) .

    – Dass Ironman ein Event, ein Mythos und nun ein Brand ist bzw. als solcher geschützt wurde, ist wahrscheinlich das grosse Problem. Für mich persönlich gibts nur einen Ironman und der findet im Guten wie im Schlechten mit einer halt limitierten Teilnehmerzahlt einmal jährlich im 50. Bundesstaat der Vereinigten Staaten statt. Es gibt schliesslich auch nur einen “New Yorker”!

    Sportliche Grüsse,
    T.

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  3. Thomas,

    ich finde es in Ordnung, wenn jemand mit so einem Anlass Geld verdient. Du sagst es richtig, die Veranstalter gehen echt Risiken ein. Aber wie überall gilt auch hier das Mass. Offensichtlich sind die Sportler bereit, für die Marke richtig Geld auszugeben.

    Ich habe mir jetzt überlegt, wenn ich einen echten Langdistanz Triathlon machen möchte, welches wäre für mich der attraktivste. Und da gibts zwei Sichtweisen: Das Abenteuer an sich oder dann die Variante, die jeder kennt (Ironman in Zürich). Und beim Abenteuer gibts in der Tat viele spannende Alternativen. Und noch mehr Möglichkeiten, wenn auch ein Langdistanz Duathlon eine Alternative sein könnte.

    Mal schauen, wo ich mit meinen Gedanken lande. Sicher ist aber, dass viele der Athleten die Geschichte von letzter Woche schon wieder vergessen haben und wohl nicht an ihrem “Konsum-Verhalten” ändern werden.

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  4. Wo es hoch geht gehts auch wieder runter…

    Ich denke der der Triathlon und Laufboom steht kurz vor dem Overkill.

    Speziell die Ironman Rennen.

    Grund:

    Jeder weiss doch was für einen Aufwand man treiben muss. Das macht man ein zwei dreimal..und dann is gut.

    Viele mögen halt nur das Event aber nicht das Training.

    Und einige werden die großen Veranstaktungen boykotieren.

    (Ich starte NICHT mehr im Kraichgau. Lutscherwettkampf (1400 Leute auf 90 km). Hatten mal eine anderen Anspruch..Hatte noch die Worte im Ohr: Wir lassen nicht mehr wie 400 Leute auf 110 km..haha )

    Aber vorher wird nocchmal richtig Kasse gemacht. Wer 5000+ Euro Material in die Wechselzone schiebt dem soll man ruhig 800 Euro Startgeld abknüpfen.

    Ich werde derweil vom Spielfeldrand zuschauen…

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    1. Michael, danke für Deine Gedanken. Dazu zwei, drei meiner Gedanken. Die Einzigartigkeit (ein, zwei lange Wettkämpfe pro Saison), die Zeit die man investiert und das Geld das man ins Material investiert stehen tatsächlich in keinem Verhältnis zu dem, was man dann für ein Rennen bezahlen muss. Und ich denke, viele von uns sind dann unsensibel und schlucken die Kröte. Andererseits haben die Veranstalter auch einen grossen Aufwand und viele der Topveranstaltungen hier bei uns sind knapp profitabel, weil der Aufwand immens ist und die Events selbst zu wenig attraktiv für Sponsoren sind. Hand aufs Herz, gäbe es beispielsweise Powerbar nicht, dann gäbe es auch einige Anlässe nicht mehr. Was mich aber stört ist, wenn Veranstalter derart unsensibel mit diesen Themen umgehen. Nach dem Motto, friss oder stirb. Deshalb ist es Zeit, dass wir uns Gedanken darüber machen, wo auch noch tolle Rennen stattfinden, die von ebenso tollen Menschen veranstaltet werden. Mein bisher grösstes Highlight diesbezüglich sind die Powerman Duathlon World Championships in Zofingen (www.powerman.ch). Ansonsten erlaube mir den Kommentar – schliesse nicht von Dir auf andere – in unserem Umfeld gibts jeden Tag grosse Überraschungen was das Verhalten und die Ziele der Athleten anbelangt. Machs gut und mit sportlichem Gruss nach Deutschland, Patrick

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  5. Hi,

    ich wollte nicht von mir auf andere schließen.

    Was meine Haltung zu diversen Wettkämpfen angeht is meine Sache.
    Ich wollte auch nicht ausdrücken, das eine Veranstaltung kein Geld kostet.

    Wie aber sind Preisteigerungen um mehr als 100% zu erklären über die Jahre wenn Städte und Gemeinden auch helfen?

    Aber die Diskussion ist nicht zielführend, solange es ausreichend Leute vorhanden sind die bereit sind noch mehr zu zahlen.

    Wie gesagt vor 30 Jahren gabs auch keine großen Sponsoren undes war nicht soviel geld involviert wie heute und es gab trotzdem Wettkämpfe.

    Is aber die gleiche Frage ob es gerechtfertig ist das Fußballprofis soviel verdienen oder Formel 1 Piloten.

    Anyway..we will see.

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  6. Michael, am IM in Zürich beispielsweise räumt die Stadt richtig deftig ab. Die kassieren viel Geld für die Entsorgung der Abfälle, die Verkehrsregelung, die Absperrungen, die Miete von Grünflächen etc. Selbst grosse Veranstaltungen kämpfen hier in der Schweiz um ihre Existenz.

    Damit wir die IM Monokultur vermeiden können, müssen neue Veranstalter zwei Dinge kriegen: eine Chance, die Sache vernünftig umzusetzen und den Anreiz, damit auch ein wenig Geld zu verdienen. IM ist heute eine Top Marke mit enormer Ausstrahlung und einem attraktiven Package. Die können relativ schnell jeden Anlass gut buchen und haben eine tolle Kommunikationsplattform. Und solange die Leute bereit sind, dafür auch den Mehrpreis zu bezahlen, drehen die am Rad. Bis der Bogen überspannt. Und selbst dann finden sich noch genug, die bereit sind, dennoch teilzunehmen.
    Und so funktioniert das. Hinzu kommt, dass die meisten IM-Rennen nicht die grössten Tri-Herausforderungen auf dieser Erde sind, oder? Irgendwie reflektiert das ein wenig unsere Gesellschaft.

    Bezüglich Material sehe ich das nicht ganz gleich. Dennoch: Eigentlich ist ja die Idee des (extremen) Ausdauersports, sich in erster Linie mit sich selbst zu messen. Da wir aber schneller werden wollen und uns die Industrie Hand bietet, profitieren wir auch gerne von ausgefeilten Trainingsmethoden und Coachings, Schwimmtechniken, Laufanalysen, Einlagen, spezieller Bekleidung, Wetsuits, schnellen Laufschuhen und aerodynamischen Rädern. Da ich selber auch ein “Material-Fetischist” bin, vertrete ich die Meinung: Hobby ist Hobby und jeder soll tun, wozu er Lust hast. Die einen fahren eine teure Karre und die anderen bestellen sich ein Rad für 10’000 Euro.

    Es wird immer Menschen geben, deren Geldbörse grösser ist als Deine oder meine. Und wenn die prozentual gleich viel für den Sport ausgeben wie wir, dann ist das in absoluten Geldbeträgen immer noch mehr. Ähnlich verhält es sich mit dem Nutzen, den einer aus dem Sport zieht bzw. der Bereitschaft in sein Hobby zu investieren.

    Ich bin mit Dir bei all diesen Themen in einem wichtigen Punkt einig: der Sport soll im Mittelpunkt stehen. Wenn Veranstalter also ohne Argumente die Preise erhöhen nur um Investoren zu befriedigen oder Strecken “planiert” bzw. verkürzt werden, damit schnellere Zeiten möglich sind, dann ist diese Entwicklung falsch. Und da finde ich, sollten Veranstalter ansetzen. Tolle Rennen, einzigartige Herausforderungen.

    Inzwischen arbeite ich hart daran, die nächsten Herausforderungen anzupacken und dass mich keine Aluräder mehr überholen, wenn ich auf meinem Carbonrahmen sitze 😉

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    1. Interresante Punkte:

      Also ich kenne natürlich nicht die Kostenkalkulationen der einzelnen Veranstaltungen und jeder soll natürlich entlohnt werden wenn er gute Arbeit leistet. Absolute Grundlage.

      Ich selbst hab IM Switzerland 1998 auf der alten Strecke mitgemacht 900 Leute und recht übersichtlich. War ein schönes Erlebnis! War auch mein 1. . Aber kein Vergelich mehr zu heute.
      Überfüllte Strecken un das ewig leidige Thema Lutschen. Alle machens aber man sellber natürlich nicht…. Is wieder das alte Spannungsfeld. Mehr Leute wollen starten, limitieren will man nicht wirklich um jeden die Möglichkeit geben den Wettkampf zu machen usw.
      Ich hab meine pers. Konsequenz gezogen. Aber das ist ja mein Ding.

      Material…jaja…Aber ein P4 verpflichtet…eine Scheibe auch…Sieht auf jeden Fall komisch aus wenn dann nicht dementsprechend gefahren wird… Aber der Fahrradladen muss ja auch leben…seh ich ja ein. Sinnvoll ist Trainingsteuerung. Keine Frage!

      Klar gibts mittlerweile schönere, interessantere und familiärer Rennen..ich hab meine Nische gefunden…..ich faht immer nach Kalmar….600 Starter…waren mal 200., aber das Rennen wächst nicht wirklich…abe rich mags und es wird vom örtlichen Verein organisiert!

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