Rennbericht Powerman 2010

12 Wochen lang habe ich auf dieses Ziel hingearbeitet. Nicht immer nach Plan. Einige der Schwimmeinheiten (knieschonende Ausdauer) liess ich ganz einfach aus. Ansonsten wars ziemlich diszipliniert. Nach ungefähr 7 Wochen Training wurde mir dann einigermassen bewusst, auf was ich mich eingelassen hatte. Und so spickte ich meine Trainingseinheiten mit Höhenmetern. Egal wo, ob auf dem Laufband, auf dem Longjog in der technischen Einheit oder auf der Radeinheit, die harten mussten es sein. Und aus den Koppelläufen wurden Doppel-Koppel-Bergläufe. Und es zahlte sich aus.

Renntag. Nach einem ausgiebigen Frühstück gings auf nach Zofingen. Bereits unterwegs lagen die Fotografen auf der Lauer. Ob der Speed gereicht hat, wird die Post in den nächsten Tagen zeigen.

Endlich wieder mal ein übersichtlicher Anlass. Die die man kannte, traff man sehr schnell. Zum Beispiel den Christoph Nenninger und der Urs Krieger. Beide gute Bekannte aus dem Lauftraining. Als wir über die Zeiten sprachen, sagte ich: Wenn’s unter 10 ist, dann ist es gut. Sensationell wäre unter 9:30. Dazu später 😉

Der Start. Tolles Feeling. Wunderbares Wetter. Gleich zu Beginn gings bergauf. Einen knappen Kilometer. Die letzten 2 bis 300m mit ungefähr 8% Steigung. Genau so, wie ich es in meinen Kopelläufen traniert hatte. Mein Puls ging nur kurz über die 160 raus. Dann auf der Bergkette entlang auf und ab und wieder runter. Rollen. Speed. Durchs Ziel und nochmals die gleiche Runde. Unterwegs realisiere ich … mein Chip ist in der Wechselzone … was soll ich tun. Ich beschliesse die Sache locker zu nehmen. Immerhin läuft ja meine Stoppuhr und ich tue es für mich. Da taucht ein 10x Finisher auf ein Deutscher. Er wolle unter der Schwelle bleiben. Ich auch. Wir schwatzen und laufen und treffen mit ca. 46 Minuten ein. Mit dem Bike auf zum Rennchef. Er schreibt sich die Nummer auf und sagt er kümmere sich darum.

Hier das Pulsprofil

Los auf die erste Radrunde. Die ersten 7 bis 8 Kilometer gehts mehr oder weniger geradeaus. Ein komisches Gefühl. Mein Puls ist tief, unter 150. Wir fahren in einer Gruppe und keiner zieht. Knapp über 30km/h und ich frage mich ob ich losziehen soll. Ich mustere die Typen ein wenig genauer und stelle fest, dass die extrem durchtrainiert sind und aus dem Ausland kommen. Schlussfolgerung: Die Jungs wissen was sie tun und ich beschliesse in der Gruppe zu bleiben. Dann gehts auf in die erste Steigung. Sie zieht langsam an und geht dann über gut 1.5km. Zum Schluss stösst mein 10x Finisher wieder zu mir und erklärt, ich solle doch zwischendurch aufstehen, das sei gut für Prostata. Da er schon etwas älter ist als ich denke ich, dann mach du das 😉 Auf jeden Fall kam dann die erste Abfahrt und das bedeute für mich Vollgas. Wie im Training. Speed um die 70km/h. Saubere Drehungen und Züge, aerodynamisch bleiben und ab die Post. Ich überhole und überhole. Die Kurve im Dorf schaffe ich knapp und weiter … Dann der Einstieg in die zweite Steigung. Und die ist wirklich nicht von schlechten Eltern. Ich nehme Gas raus und die Kollegen von vorher – Österreicher in IM Anzügen – ziehen langsam an mir vorbei. Ich behalte bis zur Abfahrt Sichtkontakt und gebe auf den kommenden 10km richtig Stoff. Lasse sie hintermir. Mein Puls wieder im Bereich 150 bis 155, ökonomisch und aerodynamisch. Einer nach dem anderen bleibt hinter mir. Dann die lange und Steigung rauf und weiter nach Strengelbach. Für mich der anspruchsvollste Teil, weil hier viel Wind bläst und die Abfahrten nicht wirklich steil sind. Und dann bin ich schon in Zofingen. Unter den geplanten 1:40. Auf der kommenden Runde fahre ich mit einigen Routiniers. Und wieder genau das selbe. Erst mitfahren, dann ziehen lassen und dann an ihnen vorbei. Mein Puls auf der langen Abfahrt liegt knapp über 140. Ich überhole wieder einige und habe das Gefühl, dass da noch mehr drin liegt. Könnte ich nicht noch viel mehr? Einteilen sage ich mir. Im Zielraum dann meine Familie mit den 2 Bidons Winforce. Und ich fahre erneut los. Diesmal teile ich mir den Weg mit einem Italiener (hat hinten eine Hard-core Kassette, sieht aus wie ein Fixie) und jedesmal wenn wir uns kreuzen (er bergauf an mir vorbei und ich bergab an ihm vobei) rufen wir einander zu “Allez, Allez”. Es macht Spass und ich realisiere, dass 5 Stunden drin liegen. Etwas sehr optimistisch fahre ich in eine Kurve und schaffe die mit Tempo 50+ wirklich knapp. Hirn einschalten sage ich mir. Nochmals Stoff geben und in die Wechselzone. Den 10x Finisher, die Österreicher und die Routiniers habe ich hinter mir gelassen. Der Italiener fährt zeitgleich ein. Und das gutriechende Monster Goran Pavic mit gelb-schwarzen Rennanzug holte mich auf den letzten Meter noch ein. Ich bin stolz. Und es geht mir (noch) extrem gut.

Hier das Speedprofil

Ab auf die Beine. Das gute Gefühl verschwindet. Irgendwie fühlt sich das Stehen anders an als sonst. Ich habe Pfähle. Meine Beine sind schwer. Es ist warm. Ich ziehe mich um, esse ein Gel und trinke, ziehe mein zweites Paar Laufschuhe an (danke für den Tip Ronnie, der war top), Foot Pod dran und sachte los. Immer noch ist alles schwer. Irgendwie komme ich mir vor wie die Marionette Pinocchio, die in den Händen eines Anfängers das Laufen lernt. Meine Kinder begleiten mich und wollen wissen wie es mir geht. Ich sage nur: “Das ist wirklich hart.” Vielmehr kriege ich jetzt nicht raus. Dann kommt wieder mein Italiener, “Allez, Allez” und auf Italienisch macht er mich darauf aufmerksam, dass das was kommt, nur in meinem Kopf stattfinden werde. Und so war es auch. Wir liegen zwei Runden à 15km, davon jeweils 3km steil nach oben/unten und nochmals 1km steil nach oben/unten. Der Rest war kaum waagrecht und bezüglich Terrain liessen die nichts aus. Aber genau das habe ich trainiert. Die erste Runde lief besser als geplant. Und ich realisiere, dass 9 Stunden mein Ziel werden. Mit 10 Minuten Reserve gehe ich also auf die zweite Runde und nehme etwas Gas raus. In meinem Körper geschehen Dinge, die ich nicht einordnen kann. Irgendwann im zweiten Aufstieg meldet sich mein Magen – das musste so kommen – und ich verziehe mich in die Büsche. Ich denke, dass einige der Läufer diese angsteinflössenden Geräusch mitbekommen haben. Jedenfalls gehts mir danach ein wenig besser. Ich laufen von Cola zu Cola und ziehe mir noch einen Gel rein. Weniger als geplant, aber es geht mir besser. Allerdings wird mir vom vielen Cola langsam schlecht und ich habe den Eindruck, dass mich meine Energie verlässt. Kaum mehr brennbares Material. Ich bin leer. Die Motivation weicht. Dann zischt der deutsche 10x Finisher an mir vorbei. Ich weiss nicht, was der eingeworfen hat aber der Typ ging ab wie eine Rakete. Seine Zielzeit von 9:15 dürfte wohl auch Makulatur sein. Meine Füsse sind schlecht kontrollierbar, immer wieder schlägt mein linker Fuss an den rechten Knöchel. Die Steigungen gehe ich nur noch. Anders ist das nicht mehr möglich. Bin kaum viel langsamer als die wirklich wenigen, die noch laufen. Christoph Nenninger kommt mir humpelnd, schleppend, laufend entgegen. In den Zwischenstücken hangle ich mich durch und versuche in den Abfahrten einigermassen locker und schmerzfrei runter zu stolpern. Von Rollen kann hier keine Rede sein. Die Strecke, welche ich heute früh noch weltmeisterlich runtergezischt bin, hacke und strample ich jetzt buchstäblich in den Boden … übel. Wir sind zu dritt und kämpfen. Wäre die Strecke hier im Schlussbereich nicht abfallend, wärs ganz übel geworden. Die Tafel an der Strasse zeigt: 1km und ich laufe, laufe, laufe. Max holt mich bei 500m ab und läuft mit mir, Olivia stösst rund 250m vor dem Ziel dazu. Wir laufen gemeinsam, die Meute jubelt und schreit. Sowas habe ich noch nie erlebt. Dann rein in die Arena. Ich schaue auf die Uhr und sehe was von 52 Minuten. Das darf nicht sein. Wir sind 8:53 gestartet. Wenn die Minute jetzt hochspringt bin ich nicht unter 9 Stunden und ich gebe Gas was das Zeugs hält. Sprinte die 200 Meter. Dann springt die Minute und ich laufe langsamer. Etwas enttäuscht, dann ein Lächeln, die Kinder stossen wieder dazu, ein Foto und ein Typ der mir gratuliert. Erst jetzt realisiere ich, dass die Zeit oben – wie bei jedem normalen Anlass – die Gesamtlaufzeit war und nicht irgendeine Uhrzeit. Damit ist der Beweis erbracht, dass das Hirn irgendwann abschaltet. Definitiv. Anders sind solche Leistungen eh nicht zu erbringen. Oder?

Hier das Höhenprofil

Fakt ist, dass ich an der Duathlon Weltmeisterschaft 2010 in Zofingen – dem offiziell härtesten Duathlon der Welt – meine Zielzeit weit unterboten und mit 8:53 gefinisht habe. Damit bin ich 30. von 48 in der Altersklasse (AK) 40-45. 15 Teilnehmer in dieser AK waren Schweizer. 6 davon habe ich geschlagen. Meine Radzeit – und mein Raddefizit war mit ein Grund für diese Teilnahme – war die 23. von 48! Unglaublich. Ich werde noch lange von der Energie dieses Erfolges zehren können. Wenn Du sowas geschafft hast, dann gibt es nichts, was Dir noch im Weg stehen könnte. Wirklich nichts.

Und ein wahrhaft grossartiges Finisherbild. Die Entspannung geht sichtbar bis in die Fingerspitzen …

Und weils so schön ist, gleich noch ein Finisher Bild

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Published by

patrickutz

don't fear your inner weak. face it.

3 thoughts on “Rennbericht Powerman 2010”

  1. Gratuliere zu deiner Topleistung! Das Schönste ist, wenn man mit dem Finish für die ganzen Entbehrungen und Überwindungen belohnt wird. Eine gute Zeit ist dann noch das Sahnehäubchen oben drauf.
    LG Tom

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